Tuesday, August 28. 2007Auch mal Sommer
s. dazu: Endlich Sommer im Ürgsel-Blog
Während sich die halbe Welt fragt, wo denn die Blog-Einträge im Juhu-Awoowoo-Blog bleiben, verschwinde ich ganz klammheimlich wieder in Richtung England, um am Strand von Weymouth dem Bad im milden Meer zu frönen und eine weitere göttliche Zeit mit Dawn zu verbringen. Vielleicht kritzel ich während dieser Tage (ich bin bis zum 16. September fort) ein wenig hier herein, denn viel gelaufen ist hier in der letzten Zeit wirklich nicht. Also dann... wir sehen uns! Wednesday, January 3. 2007Best Christmas Ever..
..and it really was.
I had a bad feeling about the flight on the way to Bournemouth, driving early in the morning, with nobody on the roads felt like a dream. Eerie fog was everywhere, adding to my unease. But it turns out, we were as lucky as it gets: a day after I left, almost all airports, including Heathrow, were closed down because the fog was too dense. Arriving in Germany was like returning to a beautiful home, with valleys shrouded in fog, skeletal trees, pissed off motorists on the autobahn, and of course, Marcus, I couldn't have been more happy. It being so close to Christmas (and Germany being the land of Christmas, obviously) there were many fun things to do- visiting Christmas markets being the obvious choice. We chose the one in Koeln, which was so gorgeous, unlike anything you'd ever find in England. After drinking Gluewein, buying pretty presents for my mum, and generally being jolly, we retired to Sal and Petra's for espresso and wine- yay. Christmas with the Marcus' was so great, it was like back when my family would have thier X-masses together, but not as scary or embarrassing. We sang songs, opened lovely presents, played monopoly, and everyone was loud and funny. We also visited Bonn, hopefully the town of our future. From the fleetig glimpses I caught of the main city, it looked pretty impressive. But we were there to see art, and castles, so after a quick romantic walk in the park (^.^) - that's what we did. The Guggenheim collection was holding an exhibition of ancient Cambodian art, in which we picked out future home decor. Seeing Kirchner, Rauschenburg and van Gogh paintings in real life was pretty amazing too... But the castles were better. Driving to Drachenfells, we arrived at a hill, the home of two castles, one old, one new. Apparently it's pretty important in a myth about a man who bathed himself in blood, too (?). On our ascent to said monuments, we discovered the kind of cute little place that's really the best thing about going anywhere, a reptile zoo, slightly run down and creepy looking, about 3 Euros for a student ticket- brilliant. The 18th century castle was closed when we arrived, which was kinda dissapointing, and so, fuelled by Toffifee, we decided to take the path up to the ruins. The day wasn't so good, but even a veiw of Bonn covered by fog is impressive, and even better after a glass of the (rather strong) local wine in an inn we found in our descent. New year. The trip was almost over, but determined to enjoy ourselves, we attended the funny party that was happening, and welcomed in our first New Year together among friendly people in a beautiful land. I know and wish this to be a wonderul one, full of laughter, fun and love, the start of many more. Thursday, August 31. 2006BAföG, vielleicht mal wieder
Nachdem ich zuletzt im Rahmen meiner schulischen Ausbildung in Bergisch Gladbach Geld vom Staat bekommen habe - gigantische 33 Euro im Monat - offenbart mir das Abendgymnasium nun doch wieder die Möglichkeit, ein bisschen Geld vom Vaterland einzuheimsen. Mittlerweile ist die Höhe des Betrages nämlich nicht mehr abhängig vom Einkommen der Eltern (nicht, dass die in meinem Fall sonderlich vermögend wären).
Normalerweise füllt man zu solch einem Zweck die Formulare aus und schickt sie ein. Da ich jetzt aber so spät gewesen bin und unbedingt noch das Geld für August mitnehmen möchte (falls denn etwas kommt), habe ich den lieben langen Weg - 45km - ins südwestlich gelegene Siegburg auf mich genommen, um die Formulare im dortigen Kreisamt direkt abzugeben. Das hat nach ein bisschen Herumkurverei über die Landstraße tatsächlich vorbildsmäßig geklappt. Bleibt zu hoffen, dass ein paar Kreuzer bei der Aktion herumkommen. Die Fotos stehen hier übrigens zum Selbstzweck, da ich sonst so wenig Bilder veröffentliche. Sunday, August 6. 2006heizis kleine Reise, 2: Weymouth
Ein bisschen hat es gedauert nun, dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich habe angesetzt, zwei-, drei-, viermal und irgendwann wieder abgesetzt. Dieser zweite Eintrag ist schwierig, weil er die emotionale Komponente mehr als nur involviert - nichtsdestotrotz will ich es versuchen.
Der Bus nach Bournemouth hatte, wie ich bereits erwähnte, eine Panne, die Klimaanlage war defekt, die Fahrt schien ewig zu dauern. London wollte nicht mehr aufhören. Durch eine Vielzahl von kleinen Straßen schlängelte sich der Doppeldeckerbus, der Fahrer hatte eine ruppigere Gangart gewählt, wohl, weil auch er über die Verzögerung nicht erfreut war. So fürchtete ich, dass ein Verkehrsunfall nun noch mehr Zeit zwischen mich und Dawn bringen würde. Es kam aber nicht so. Kurz bevor der Bus jedoch Bournemouth erreichte, überkam mich eine seltsame Furcht. All das wartende Hoffen und die Sehnsucht auf einmal fort, einer beklemmenden Furcht, die sich flatternd in den Bauch fraß, gewichen. Gedanken schlagen Purzelbäume in meinen Kopf. Gleich kann sich alles ändern, alles, daher die Aufregung, daher das alles hier, und nein, nein, ich hätte nicht wieder versuchen sollen, auf diese unkonventionelle Art einen Menschen kennenzulernen und überhaupt - sie ist 16 - was denkst Du Dir dabei? Langsam steigert sich die Furcht. Hinter jeder Kurve kann jetzt die finale Haltestelle lauern. Ich überlege, aus dem Fenster zu springen, verwerfe es, weil es Blödsinn ist. Ehe ich einen klaren Gedanken fassen kann, biegt der Bus um die Ecke. Für einen Moment wird es still. Sie sitzt dort, an der Bushaltestelle, sie sitzt dort und hat die Hände in ihren Schoß gefaltet, sie schaut gerade auf, sie weiß, dass es mein Bus ist. Ob sie das Gleiche wie ich dachte? Aber der Gedanke wird nicht zu Ende gebracht, leichtfüßig erhebe ich mich, nehme meine Tasche und verlasse den Bus. Gleich kommt sie auf mich zu - "oh my god, you are tall" - und dann schmiegt sie sich dicht an mich, legt ihre Arme um meinen Rücken und drückt ihren Kopf an meine Brust, ich umarme sie auch. Hello honey. Bournemouth ist eine relativ große Stadt am Meer, das ich bis dato aber noch nicht sehen konnte. Der Zufall wollte es, dass Dawns Vater gleich in der Umgebung arbeitete und auch soeben Feierarbend hatte. So fuhren wir, ich hinten sitzend, auch gleich nach Weymouth, ihrem Zuhause. John, ihr Vater, begrüßte mich freundschaftlich, wenn ich auch gleich merkte, dass er noch nicht wusste, wie er mit mir umzugehen hatte. Aus dem Kassettenspieler solierte Rory Gallagher, ah, "Du magst Bluesrock, John?" - "Ja, sehr gerne, Du auch?" - "Selten, aber es ist gut beim Autofahren", der Mann mag Musik, vielleicht komme ich ihm darüber näher. Daheim angekommen führte mich Dawn durch das Haus, was bei 3 Zimmern, Küche und Bad nicht lange dauerte. Ich war ein wenig verwundert ob der Größe der Häuser im allgemeinen, wenn ich bedenke, wie der gewöhnliche Deutsche sein Eigenheim vergrößert um mehr und mehr Raum zu gewinnen, so musste ich feststellen, dass die Menschen hier sich auch mit ein bisschen weniger Platz zufrieden gaben. Dafür war dieses Haus sehr liebevoll eingerichtet, Porzellan und Bilder hingen an der Wand, alle Motive deuteten auf die Nähe zum Meer hin, Muscheln, Möwen, Strand - den möchte ich jetzt gern sehen - aber diese Gedanken vergingen schnell, wenn mein Blick zu Dawn schweifte. John zeigte mir ein paar seiner Projekte im Garten, besonders stolz war er auf das Gartenhaus und seine Bienen. Er wollte gern, dass ich das Gartenhaus einweihte und darin übernachten würde, schön, ich hatte nichts dagegen. Trotzdem schlief ich die erste Nacht aber im Haus, da Dawns Mutter, Julia, Bedenken wegen der Sicherheit hatte und erst danach in der kleinen Gartenlaube. Julia ist Mitte 40, John über 50 - eigentlich sollten sie ja Verständnis für die Situation aufbringen - tatsächlich vergingen ein paar Tage, bis sie sich an mich zu gewöhnen schienen. Diese Tage gingen aber auch sehr schnell um. Pünktlich, morgens, wenn die Eltern das Haus zur Arbeit verließen, bekam ich Besuch und mittags wurde dann nach kurzem Lunch über das Tagesvorhaben gesprochen. Meist ging es dabei ums Wandern. Wandern zum Strand, Wandern durch den Ort, Wandern durch die Hügel, die Weymouth vom Festland abschirmen, es gab hier so viel zu erkunden - und da wir beide einen gehörigen Entdeckerdrang haben, war uns fast jeden Tag ein schöner Ausflug beschert. Weymouth selbst ist ein traumhafter Ort, der eine perfekte Symbiose zwischen viktorianischen Prunkbauten und heimeligem Fischerörtchen eingeht. Das große "Royal Hotel" überragt den langgezogenen Strand, während sich in der Ferne sowohl die festungsgleiche Insel Portland und die kalkweißen Kreidefelsen abzeichnen. Viele Touristen waren hier, alles Engländer, manchmal, wenn wir durch die Straßen schlenderten, begegneten wir der ein oder anderen Person aus ihrem Freundeskreis, die mich meistens unwirklich musterten und verlegen schwiegen, ich ignorierte das schnell und irgendwie störte mich alles sehr wenig, wenn sie meine Hand hielt. Schließlich entdeckten wir eine Sehenswürdigkeit, die auch ihren Augen bislang verwehrt geblieben war, nämlich der "Roman Temple" von Weymouth - wow. Gut, in Wahrheit entpuppte sich das karg ausgeschilderte Relikt als quadratisches Steinfundament mit einer bebilderten Tafel. Hier stand mal ein Tempel. Wahnsinn. Und natürlich musste ich Dawn auch gleich darin ablichten. Die regionale Tageszeitung, das "Dorset Echo", zeigte sich ähnlich spannend. "Hilfe, ich habe Schnecken in meiner Küche", titelte es da - hat uns einige Lacher und einen nach wie vor akuten running gag beschert. Die Zeit mit Dawn verging viel zu schnell, wie man sich das auch denken kann, doch zu guter Letzt war ich sehr zufrieden, mit allem. Dawns Familie hat mich aufgenommen, wenn auch ihre Eltern nach wie vor ein wenig skeptisch über ihre kleine Tochter und den großen älteren Deutschen sind. Die Rückfahrt war noch einmal zersetzt von Missgeschicken und Pannen, so dass ich heilfroh war, als der gute Jörn mich schlussendlich am Flughafen Weeze erwartete und mich zufrückfuhr. So, das war heizis kleine Reise. Und in neun Tagen bekomme ich Besuch. Aus England. Tuesday, July 25. 2006heizis kleine Reise, 1: London
Da mich nun so viele Menschen eindringlich um einen Erlebnisbericht gebeten haben, möchte ich dem hier Abhilfe leisten. Und ja, auch ich habe es nötig, einmal in mich zu gehen und diese Zeit wieder an mir vorbeiziehen zu lassen.
Angefangen hat es am 1. Juli, nach schlafloser Nacht, die Fahrt nach Düsseldorf-Weeze (Düsseldorf? Es ist doch fast schon in Holland...), den Aufenthalt am Flughafen, den Flug selbst, wie in zombiehafter Trance verbracht. Angekommen, lange das Gepäck gesucht - zumindest kam es lange vor - und dann zum Bus gehechtet, der nach London fährt, denn auch London-Stansted ist weit außerhalb. Eigentlich habe ich dort erst vage realisiert, dass ich nun nicht mehr daheim bin, auch wenn der Sitz bequem und gemütlich war, einschlafen konnte ich nicht, schrieb mit dem Mobiltelefon Familie und Freunde an und blickte auf die Umwelt jenseits der Schnellstraße. Grün ist England, viel grüner als Deutschland. Deutschlands Grün ist gar trist und eintönig gegen das Englische, das variiert, oft in dieses leuchtend Dunkle hinein, dann wieder ins giftig Beige. London wird erstmal nach 20 Minuten Fahrt betreten. Bis der Bus am Busbahnhof hält vergeht aber noch eine gute Stunde, denn London ist riesig, unglaublich riesig. Weitläufige Wohngegenden, Industrie, Parks, kulturelle Einrichtungen, Gewerbegebäude, alles zieht in regelmäßiger Gleichförmigkeit vor den Augen dahin, bis man deutlich merkt, dass man den Bereich befährt, der in der U-Bahn "Zone 1" genannt wird. Jetzt werden die Gebäude imposanter, Wohnhäuser, bis zu neun Stöcken, beengen die Straßen, Säulen paaren sich mit gotischen Fenstern, schwarze, kunstvolle Laternen zieren breite Bürgersteige und lassen die Fahrt für mich zum Genuss werden. Ich liebe London, diese Liebe wird mir jetzt bewusster, als bei meinem ersten Besuch. Ich mag diese imperiale Ordnung, diesen Stil, den sie viktorianisch nennen, der sich von 2000 Jahren Kulturgeschichte inspiriert sah, von der Antike bis zur Moderne - alles lässt sich erkennen, selbst die einfachen Wohnhäuser, keine grauen Mietskasernen, nein, aufgebahrte Relikte eines weltmännischen herrschenden Stolzes, der diese Stadt einmal zum Zentrum des Erdballes machte. London wirkt nie zu eng, auch den Straßenschluchten haftet eine Offenheit an, die von den Grünflächen an jeder Ecke untermauert wird. Jetzt, wo es so heiß war, sammelten sich die Bürger in den Pausen und der Freizeit gern hier, um sich einfach mitten in die kleinen Wiesen zu legen, zu schlafen, zu regenerieren. Der Lärm der zahlreichen Verkehrsmittel schien sie nicht zu stören, sie lagen dort, sie schliefen, kreuzten die Beine und ruhten sich aus. Ralf wartete am Bus-Bahnhof, blickte forschend in die ankommenden Busse - irgendwie hat man als Insasse den Vorteil des ersten Blicks, dachte ich später auch wieder, aber eigentlich ist das unsinnig. Nach bewährt verhaltener Begrüßung ging es mit Sack und Pack über die überfüllten Bürgersteige hinab zur Underground. Viel war los, sehr viel, Ralf konnte sich das auch nicht recht erklären - eine Verkettung von Großveranstaltungen, wie wir später feststellten. Wimbledon, Fußball-WM, gutes Wetter und die größte Lesben- und Schwulenparade Europas, das alles trieb die Leute auf die Straßen, verständlich und ich armer Landmensch wurde diesem Trubel schonungslos ausgesetzt. Gut, dass es Ralf gibt, denn der kann mittlerweile sehr gut umgehen, mit den vielen Leuten, da wurde ich auch gleich viel gelassener. Ralf wohnt in einem typisch englischen Reihenhaus, im Keller, zusammen mit einem eigenbrödlerischen Kommilitonen; die dritte Partei war gerade ausgezogen und so hatte ich ein Bett für mich, was sich als günstig erwies. An Schlaf war jedoch vorerst immer noch nicht zu denken, so setzten wir uns bald wieder in die prallvolle Underground, um uns einen günstigen Stehplatz am Rande der Straße am Piccadilly Circus zu erhaschen. Und warum? Tja, da war doch noch die Europride, die, wie bereits erwähnt, größte Lesben- und Schwulenparade. Ralf zählt sich zu Letzteren und ich, als überaus toleranter und offenherziger Weltbewohner, wollte meine uneingeschränkte Solidarität doch gern zum besten geben. Wohlgemerkt, als Ralf mit einem Kichern feststellte, dass uns die Lesben um uns herum wohl für ein Pärchen hielten, wurde mir doch ein wenig mulmig. Die Parade war dann aber wirklich sehr schön, fröhlich, ausgelassen. Ein Familienvater, mit den Kindern vorbeigehend, fragte Ralf, ob dies hier eine Parade sei und floh darauf schnell, als dieser ihm erzählte, es handele sich um die Europride-Parade. Das war lustig. Wie dem auch sei, nach all den bunten Wagen, Gruppen, Transparenten und Fahnen hatte sich bei mir doch so langsam eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen, an der auch der kühle, direkt gepresste Orangensaft der Vorzeigekapitalisten Starbucks nichts ändern konnte. Zudem meldeten sich jetzt, ärgerlicherweise, meine Füße und so brachen wir den Rundgang durch die National Gallery nach wenigen Minuten ab, um zurückzukehren. Nach drei Stunden erholsamen Schlafes ging es wieder in die Stadt, diesmal zwecks Nahrungsaufnahme. London am Abend, in der Nacht, ist nochmal eine andere, schillernde Erfahrung. Durch das Fußballspiel, das Frankreich gegen Brasilien gewann, wurde später noch die französische Bevölkerung in der Stadt - nicht gerade Wenige - mobilisiert und feierte ein großes Fest am Piccadilly Circus, Wahnsinn. Da sich Ralf für einen Rundgang durch das nächtliche Soho entschied, passierten wir einige Straßen mit feiernden Homosexuellen, die dort ihr Lager aufgeschlagen hatten, überall Musik und Fest, die Stadt schien einem einzigen Rausch verfallen. Dieser Rausch konnte aber meine Füße nicht überstimmen, sie schmerzten auch am nächsten Morgen wieder, trotzdem läuteten wir den großen Wandertag durch allerhand Londoner Parks ein, von den Kensington Gardens in den Hyde Park, die an diesem heißen Sonntag nahezu überlaufen waren, bis hin zur Speaker's Corner und dem berüchtigten Schwatzen dort. Nachdem wir ein paar Stunden unterwegs waren, war es den Füßen zuviel, also ging es zu regenerativen Zwecken zurück. Der Abend kam früh und mit ihm ein kleines kulinarisches Abenteuer. Wenige Meter von Ralfs Domizil entfernt ist ein arabisches Restaurant, dessen Speisekarte mich erst stirnrunzeln ließ, bis ich von der Neugier übermannt wurde. Dort, am letzten Abend, wollte ich es mir gutgehen lassen, Ralf verstand das und tat es mir gleich. So bestellten wir teure Weine und exquisite Fleischspeisen. Lamm! Lamm ist ein Gedicht, zartes Fleisch, das fast auf der Zunge zergeht und einen vollen doch sanften Geschmack hinterlasst, dazu Curry-Huhn am Spieß und scharf gewürzte Würstchen, als Beilagen Basmati-Reis mit Safransoße, Bohnen in Tomatensuppe, herrlich. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt derart gut gegessen habe. Der Nachtisch bestand aus hauseigenem Eis, das erst splitterte, dann aber auf der Zunge zerfloss und einen sehr intensiven Geschmack besaß. Himmlisches Essen für umgerechnet 50 Euro - doch ein Mal soll es gegönnt sein. Am nächsten Morgen (wir vertrieben uns die Nächte mit Hong-Kong-Actionfilmen und "Queer as Folk") ging es dann weiter; ich war aufgeregt, unglaublich aufgeregt, zitterte, konnte mich kaum fassen, geriet fast in Panik, als sich die Underground auf dem Weg zum Busbahnhof verzögerte, musste dann von Ralf beruhigt werden; das war wegen ihr, das wusste ich, weil ich sie jetzt sehen würde, in wenigen Stunden, in wenigen Minuten würde sich vielleicht alles verändern, ein Traum, den wir uns seit 3 Monaten aufgebaut hatten, würde wahr werden - oder doch in einem Desaster enden? Die Spannung war nicht zu ertragen und dann hatte auch noch der Bus eine Panne, die Klimaanlage defekt. Fest saß ich, für eine Stunde, schrieb ihr Nachrichten, sie wartete dort, am Ziel, an meinem Ziel. Schließlich kam der Bus und fuhr mich fort. ... davon morgen mehr.
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